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Virtuelle Welten: Neue Maßstäbe im Künstler- und Kulturmarketing

Oktober '05 - Bei ihren TV-Auftritten wie in der ZDF-Gala „Echo der Stars“ erntet Anne-Sophie Mutter gewohnt begeisterten Applaus. Auf den heimischen Computer- statt auf den TV-Bildschirm kommt die „berühmteste Violinistin der Welt“, wie Spiegel und FAZ jüngst titelten, aus Kempten. Hier findet der Besucher über die fernseh-üblichen, linearen Konzertmitschnitte oder Interviews hinaus eine prall gefüllte virtuelle Welt: detailliert recherchierbare Aufnahmen, ein Terminkalender, alle Tourneen seit 1998 oder eine grafische Timeline, in der sich das Leben der Künstlerin intuitiv „erklicken“ lässt.

 

Noch vor dem Mozart-Jahr 2006, in dem die Welt den 250. Geburtstag des großen Komponisten feiert, erschien die erste Doppel-CD zum Start ihres eigenen, umfassenden Mozart-Projektes, in dem sie insgesamt drei Alben veröffentlicht, statt eines Dirigenten das London Philharmonic Orchestra selbst leitete oder das Leben des berühmten Salzburgers aus seinen Briefen biographisch exzerpierte.

Im Rahmen dieses Projektes ging nun auch ihre von Grund auf neue, aufwändige Website online – produziert von der Kemptener Design- und Werbeschmiede farbe8.com für A.P.Mutter Kommunikation, der PR-Agentur der Künstlerin.

In den letzten Monaten glühten die Köpfe und Computer der Designer und Programmierer, um mit dem Weltruf des Geigenspiels Schritt zu halten: "Je mehr wir uns in dieses Projekt, also in die Geschichte und Person hineingruben, desto mehr wuchs der Ehrgeiz, etwas adäquates wie eigenständiges auf unserem Terrain, im Screendesign und seiner interaktiven Darstellungsmöglichkeiten, zu schaffen. Mit diesem Projekt hatt man definitiv neue Maßstäbe in der Darstellung und im Marketing von Kunst und Kultur gesetzt – was gerade wenn es um Persönlichkeiten geht, ein Vorhaben ist, das viel Sensibilität verlangt."

 

„Vermeintliche Grundregeln versauen die Kreativität zu neuen Wegen“

Wie bei jedem Projekt verschafften sich die Werber zunächst einen „Branchen“-Überblick, überprüften, wer mit was und wie im Klassik- und Solisten-Bereich online ist. „Doch bald hörten wir auf, davon zu reden, mit diesem Projekt höhere Maßstäbe oder ‚die Messlatte höher’ setzen zu wollen. Denn wer auf bestehendes schielt, relativiert immer nur, statt frei zu sein für neue Ansätze, frei, um Neues schaffen und eingelaufene Wege verlassen“, so Stephan Schmidt, der 1999 in Kempten – eigentlich aus klassischer Werbung und Kommunikationswissenschaft stammend – als Chefdesigner bei der Einsteinet AG und dann als Agenturleiter bei Pagefactory begann. Von ihm stammt bereits das Design der im Vergleich recht kleinen Site aus dem Jahre 2000.

„Klar, es gibt überall Grundregeln, auch im Screendesign: Ein Monitor ist rechteckig, und mit der Maus klickt der User als einzig maßgebender dann, wenn er erstens will und zweitens die Möglichkeit überhaupt wahrnimmt. Es ist eine mühevolle Gedankenarbeit, immer wieder spezifisch bei jedem Projekt, welche der Regeln gar keine sind und nur der Kreativität neue Wege zu zukunftsweisenden inhaltlichen wie visuellen Präsentationen versperren.“

Diese befreiende Erfahrung hatte man zuvor auch beim ebenfalls wegweisenden Online-Projekt für die in Kempten lebende Malerin Gwendolyn Boos gemacht. Heraus kam unter www.gwenboos.de eine „gewürfelte“, virtuelle Vernissage, in der nur der Zufall über Auswahl und Anordnung von knapp hundert Gemälden bestimmt; jeder Seitenaufruf ist pro Betrachter von der Wahrscheinlichkeitsrechnung her gesehen, fast einzigartig – und unbevormundet.

„Die Darstellung – letztlich die Bewerbung – von Kunst statt von Verkaufsartikeln verlangt ein hohes Maß an Sensibilität und Achtung im Umgang mit der dahinterstehenden Persönlichkeit. Es gilt schließlich gleichermaßen, den Künstler mit Identifikationsmomenten, mit seiner Menschlichkeit und Details aus dem Leben für den Betrachter darzustellen, ohne sich aber andererseits in Peinlichkeiten zu ergehen oder die Privatsphäre zu verletzen“, lautet das Motto.

Gewürfelt wird bei www.anne-sophie-mutter.de nicht. Hier soll neben den klassischen „rationalen“ und rubrikisierenden Buttons eine intuitive, rein bebilderte Navigation ohne jegliche Beschriftung, eine Collage aus Leben und Schaffen der Solistin den Bauch bzw. Instinkt des Betrachters auf eine Entdeckungsreise locken.

Gleich auf eine weitere Reise entführt die interaktive „Timeline“ den Besucher in die Biographie der Violinistin: Per Bilder oder Jahreszahlen klickt man sich durch Kindheitsfotos, Videosequenzen (der erste Film ist ein digitalisierter TV-Auftritt bei SDR im Alter von neun Jahren), Fotos vom Debut mit Herbert von Karajan mit 14 oder allen Daten ab der ersten Schallplatte, die man mit einem Klick direkt online bestellen kann.

Unter der Oberfläche, hinter den Buttons „Konzerte“ und „Diskografie“, werkeln zwei mächtige Datenbanken, aus denen der Besucher vielfältige Listen zu allen Veröffentlichungen – die jüngsten sogar mit Anspiel-Audiodateien oder Videos mit Interviews – sowie zu allen Tourneen und Programmen seit sieben Jahren abrufen kann.

 

9.000 Besuche pro Woche

All das kommt an: „So etwas gab’s noch nicht“, war eine der ersten Reaktionen eines Audiophilen gleich nach der Liveschaltung. Die zweisprachige Website verzeichnete in den ersten beiden Wochen knapp 19.000 Besuche aus aller Welt. Pro Woche generieren 220.000 Dateianfragen einen Datenverkehr von über 3 Gigabyte auf der Site, für deren Hosting das Technik-Label der Agentur, farbe8.NET, verantwortlich zeichnet.

2006 soll anlässlich der großen Asientournee durch China, Japan, Korea und Taiwan eine chinesische Variante produziert werden; dann wird diese „allgäuer“ Website wohl mehr Besuche aus Asien zu verzeichnen haben als die von Neuschwanstein oder Oberstdorf.

 

Keyfacts

Illu-Fotos: Archiv farbe8.com, Anne-Sophie Mutter, Deutsche Grammophon
Inhalte: A.P.Mutter Kommunikation, Nidderau, farbe8.com

Technik Screen: HTML, Flash 6.0, MP3 Video, JavaScript 1.2
Datentechnik: mySQL 3.23, PHP 5
Hosting: Apache 1.2 auf Unix
Server-Hosting: farbe8.NET at Domainfactory München

Beteiligte Firmen & freie Mitarbeiter: Deutsche Grammophon (Audio Tracks), Hauber Informatik, Kempten, Andreas Stürz, München

Auftraggeber: A.P.Mutter Kommunikation, Nidderau

Zur Website: www.anne-sophie-mutter.com


Nach verschiedensten Kriterien und Suchoptionen lassen sich umfassende Details in Datenbanken recherchieren.

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